Evangelisch-reformierte
Kirchgemeinde Linden

Kirche und Staat im Kanton Bern

Münster-Bern<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-linden.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>130</div><div class='bid' style='display:none;'>1691</div><div class='usr' style='display:none;'>8</div>

Per 1.1.2020 ändert sich das Verhältnis des Kantons Bern zu seinen Landeskirchen. Die Pfarrer, die bisher vom Kanton angestellt waren, werden zukünftig Angestellte der Kantonalkirche sein. Auch die Rolle der Kirchen insgesamt wandelt sich.
Giancarlo Voellmy,
Die Berner Kirche steht dem Staat traditionell sehr nahe – mit allen Chancen und Gefahren. Bis 1876 erfüllten die Kirchen etwa alle Zivilhandlungen (Geburts- und Todesregister, Eheschliessungen). Berüchtigt sind die Täuferjagden bis weit ins 18. Jahrhundert, als der Staat den rechten Glauben noch mit Gewalt durchsetzte.

Die Berner Pfarrer hatten nach der Predigt von der Kanzel auch amtliche Beschlüsse zu verlesen. Folgerichtig bezahlte der Kanton Bern seine Pfarrer seit 1804 direkt. Seit diesem Jahr verwaltete der Kanton alle Sachgüter der Kirchgemeinden; damit sollten die Löhne der Pfarrer ausgeglichen werden. Davor hatte es neben sehr einträglichen auch sehr karg besoldete Pfarrämter gegeben. Unsere Kirche war davon nicht betroffen – sie steht erst seit 1849!

Neue Finanzordnung
Als das Landeskirchengesetz überarbeitet wurde, stellte man dieses historische Recht der Kirche auf die Pfarrerlöhne in Frage. Die Lösung ab 1.1.2020 sieht vor, dass weiterhin ein «Sockelbeitrag» für rund 200 Pfarrlöhne ausgerichtet wird, entsprechend dem historisch begründeten Anrecht («historische Rechtstitel»).

Darüber hinaus sollen die Landeskirchen – neben der reformierten auch die römisch- und christkatholische Kirche – einen Beitrag für ihre «gesamtgesellschaftlichen Leistungen» erhalten. Dieser Beitrag wird alle 6 Jahre überprüft. Die Kirchgemeinden müssen zu diesem Zweck erfassen, was sie an gemeinnützigen Leistungen erbringen und nach den ersten drei Jahren in einem Bericht dem Berner Regierungsrat vorlegen. Es ist denkbar, dass dieser Betrag künftig auch anderen Organisationen zugute kommen kann.

Chancen und Aussichten
Dass die Berner Reformierte Kirche sich in Zukunft noch stärker selber verwaltet, ist auf jeden Fall als Chance zu werten. Immer wieder hat die enge Verflechtung von Politik und Kirche zu Spannungen geführt. Die Kirche ist keine politische Organisation; sie richtet sich nach Gottes Wort, nicht nach Moden oder Mehrheitsentscheiden.

Die Kirche Linden hat bereits erfahren, dass die Geldflüsse vom Staat nicht selbstverständlich sind. Unsere Pfarrstelle wurde auf 80% gekürzt. Das ist wohl nicht das letzte Wort. In Zukunft werden Eigeninitiative und Selbstverantwortung gefordert sein – und das ist nicht falsch.

Auch in der Kirche gilt die Gemeindeautonomie. Im Vergleich mit anderen Kirchgemeinden ist die Kirche Linden im Dorf gut verankert. Unser Beitrag etwa im Bereich Jugendarbeit, Sozialarbeit und Senioren ist unbestritten. Das ist nur möglich dank vieler Ehrenamtlicher – sie werden weiterhin, und zunehmend, den Kern unserer Kirchengemeinschaft bilden. Einer Gemeinschaft, die von Gottes Zuwendung lebt, und nicht nur dank staatlicher Zuschüsse existiert!

WELCH IST CHRISTI KILCH?
DIE SIN WORT HÖRT.

Inschrift über der Tür der Kirche Wildhaus SG, dem Geburtsort des Schweizer Reformators Huldrych Zwingli.
Bereitgestellt: 12.12.2019     Besuche: 52 Monat